Aktuelle Ausstellung

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05. Okt  17:00 Uhr

Am Samstag, 5. Oktober 2019, wird im Museum der Stadt Eberbach um 17:00 Uhr die neue Sonderausstellung "Odysseus und seine Zeit – Zinnfiguren erzählen Geschichte und Geschichten" mit über 3000 kleinen Figuren aus der Sammlung von Dr. Wolfgang Weiß im alten Ratssaal eröffnet. Dazu sind alle Interessierten freundlich eingeladen.

 

In der Ausstellung werden in einer Reihe von kleinen Panoramen spannende Szenen aus sehen sein, die sich während der zehnjährige Irrfahrt des Odysseus abspielten. Nicht nur diese Abenteuerserie, sondern auch die damals bereits seit einem halben Jahrtausend versunkene mykenische Welt und ihr Kontext, die Großmächte ihres politischen Umfelds die Reiche der Hethiter und Ägypter, werden in einzelnen Szenen visualisiert. Zur Zeit Homers stellte man sich diese Welt der späten Bronzezeit schon ganz anders – in mehr oder weniger zeitgenössischer Weise – vor. Man hatte verständlicherweise Probleme, manche kulturgeschichtliche Entwicklungen zu verstehen, ähnlich wie man in der Neuzeit die Heroen dieser Frühzeit gern in einer an der späteren Klassik orientierten idealisierten Weise darstellte. Auch diejenigen, die die Szenen nun ins Miniaturformat der Zinnfiguren umsetzen, müssen sich entscheiden, woher sie ihre Vorbilder und Bildanregungen beziehen, aus den archäologisch etablierten Erkenntnissen zur mykenischen Bronzezeit, aus der idealisierten Vergegenwärtigungen der griechischen Klassik oder aus den klassizistischen Neuschöpfungen der letzten Jahrhunderte.

Daher darf man bei der Eröffnung am Samstag sehr gespannt sein auf den Vortrag, den Dr. Matthias Weiß, Dozent für Kunstgeschichte an der Freien Universität Berlin, ein genauer Kenner der Materie, unter dem Titel "Zwischen Nachahmung und Neuschöpfung – Zinnfigurenserien zu Homers Odyssee" als Einführung in das Thema und seine Umsetzung in Zinnfiguren-Ensembles und Bilder geben wird.

Die Odyssee ist das zweite große frühgriechische Epos neben der noch bekannteren Ilias, die eine Phase aus der Belagerung von Troja durch die Griechen behandelte. Es wurde in der Antike demselben genialen Dichter wie die Ilias, dem angeblich blinden Sänger Homer, der etwa im 8. Jahrhundert v. Chr. im östlichen Ägäisraum gelebt und gedichtet haben muss. Beide Werke ragen durch ihre kunstreiche Struktur und Sprachgewalt heraus aus der Reihe weiterer Epen, die den umfangreichen Sagenkranz um den Trojanischen Krieg beschrieben und von denen nur Bruchstücke erhalten sind. Ilias und Odyssee gehörten dagegen durch die gesamte Antike hindurch zum allgemeinen Schulstoff.

Im Gegensatz zur Ilias behandelt aber die Odyssee nicht eine kurze entscheidende und tragische Phase in dem Geschehen, sondern um eine mit kunstvollen Vor- und Rückblicken gestaltete Kaskade von teils in märchenhaftem Ambiente spielenden Abenteuern des Odysseus und seiner Gefährten. Deren Erzählung aus Odysseus' eigenem Munde ist in die Darstellung der dramatischen Ereignisse in der letzten Phase vor seiner Heimkehr nach Ithaka nach zwanzigjähriger Abwesenheit eingebaut. In der Zinnfiguren-Ausstellung werden diese Episoden in "chronologischer" Folge vorgeführt.

In der historischen Realität ging es in dieser Zeit mindestens ebenso dramatisch und aggressiv zu wie in der Dichtung über die Belagerung und Zerstörung Trojas durch die mykenischen Griechen. Hethiter und Ägypter griffen erst weit mit ihren Eroberungen benachbarter Kleinstaaten aus. Dann kamen die Angriffe der "Seevölker" aus dem Westen, die in Wikingermanier erst die mykenischen Reiche plünderten, zerstörten und eroberten, dann ebenso weiter die kleinen und großen Staaten an der kleinasiatischen und der sog. Levante-Küste attackierten. Erst ihr Angriff auf Ägypten scheiterte letztendlich, führte aber für den Pharao zum Verlust der Levanteküste, wo sich Teile der geflohenen Mykener und Seevölker, darunter die aus der Bibel bekannten Philister, niederließen.

 

Zinnfiguren sind in der Regel nur wenige Zentimeter groß und reliefartig flach, können aber auch dreidimensional hergestellt werden. Sie lassen sich durch Gießen in Formen und anschließende Bemalung relativ leicht erstellen und waren darum immer beliebt. In seinem 1838 geschriebenen bekannten Kunstmärchen "Der standhafte Zinnsoldat" führt Hans Christian Andersens das Herstellungsverfahren und die damalige Funktion dieser kleinen Spielzeugfiguren vor Augen. In detaillierten Entwürfen und sorgfältiger Bearbeitung können so kleine Kunstwerke entstehen. Auch darüber wird die Ausstellung im Museum informieren.

In Eberbach gab es bis vor kurzem das Zinnfiguren-Kabinett im Haspelturm, das leider inzwischen aufgelöst worden ist. Im Haspelturm waren vor gut einem Jahrzehnt bereits einmal Szenen aus der Sage von Odysseus zu sehen. Daran knüpft die diesjährige Sonderausstellung an. Aus dem Bestand des Kabinetts wird das Museum der Stadt Eberbach übrigens demnächst das mit Zinnfiguren belebte Modell des alten Leiniger Hofes übernehmen.

 

Termine für Workshops für Kinder und interessierte Erwachsene zur Herstellung von Zinnfiguren werden später über die Presse bekanntgegeben.

 

Museumsöffnungszeiten: Di und Fr 15-17, Sa und So 14-17.00 Uhr, Eintritt frei