Hermann Wagner – „Im Lichte Griechenlands“

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9. Mai 2015
- 8. November 2015

Unbekannte Meisterwerke des Heidelberger Photographen Hermann Wagner (1895-1976)

Eine Ausstellung des Instituts für Klassische Archäologie der Universität Heidelberg im Museum der Stadt Eberbach vom 9. Mai bis zum 8. November 2015

Die Ausstellung zeigt eine Auswahl eindrucksvoller Schwarzweiß-Photographien der 20er bis 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts von Motiven aus Griechenlands: Landschaften, Meeresbuchten, antike Tempelruinen und griechische Skulpturen. Aufgenommen hat sie der Heidelberger Hermann Wagner, ein Fotograf ersten Ranges mit einem breit gefächerten Oeuvre, der sich – im 1. Weltkrieg zum Fliegerfotografen ausgebildet – auf technische und dann auf archäologische Aufnahmen konzentrierte. Seit 1927 arbeitete er als freier Photograph in Athen, vor allem für die amerikanischen Ausgrabungen in Korinth und Athen und für das Deutsche Archäologische Institut in Athen. So kam er in die verschiedensten Gegenden Griechenlands, von Olympia bis Samos, von Knossos bis zu den Meteoraklöstern, und photographierte dabei nicht nur die Grabungen, sondern auch Land und Leute. Für die Klassische Archäologie in Griechenland hatte Wagner eine ähnliche Bedeutung wie der bekanntere Walter Hege. Seit 1946 war Wagner dann am Institut für Klassische Archäologie der Universität Heidelberg. Neben den üblichen Photoarbeiten für den Betrieb des Instituts, steuerte er weiterhin Bilder zu archäologischen Zeitschriftenartikel und zu verschiedenen Publikationen bei, lieferte aber auch die Aufnahmen zu ganzen Museumskatalogen und anderen Büchern (z.B. A. Blanco, Catalogo de la escultura, Museo del Prado, Madrid 1957, Corpus Vasorum Antiquorum, Heidelberg 1 und 2). Daneben arbeitete er weiter an seinen Landschaftsaufnahmen von Griechenland, woraus u.a. ein  von W. Kraiker eingeleitetes Buch war.

Im Heidelberger Institut wird heute sein Nachlass aufbewahrt, der mehrere Tausend von Glasplatten- und Zelluloid-Negativen umfasst, mit dem Schwerpunkt Griechenland. Eine Gruppe von Studierenden des Instituts für Klassische Archäologie unter der Leitung von Prof. Dr. Reinhard Stupperich hat die Ausstellung erarbeitet.

So wird das breite Spektrum beeindruckender Schwarz-Weiß-Fotomotive, topografisch und thematisch gruppiert, in die Dauerausstellung der Abgüsse integriert. Zugleich entsteht eine Wechselwirkung zwischen zwei- und dreidimensionalen Exponaten, die dem Besucher einen außergewöhnlichen Blick auf die Kunst der Fotografie erlaubt. Das Besondere ist dabei die Wahl der Motive. Denn der Schwerpunkt soll gerade nicht auf archäologischen Elementen liegen, sondern vielmehr auf Landschaftsbildern, Alltagsszenen oder sogar Szenen aus der Tierwelt.

Eine Besonderheit waren Wagners Freilichtaufnahmen von Skulpturen auf der Athener Akropolis. In Anknüpfung daran sollen die Photographien im Zusammenspiel mit Abformungen antiker Skulpturen in der Abguss-Sammlung gezeigt werden.

In der Ausstellung werden auch Informationen zur Person des Künstlers geben, die mit zeitgenössischen Dokumenten, Gegenständen und Geräten untermalt werden.

Wagners schwarz-weiße Fotografien fingen auf besondere Weise das damals gern apostrophierte ‚griechische Licht‘ ein, das die griechischen Bauten und Landschaften in den Augen damaliger Besucher beleuchtete, wie in den Reiseberichten immer wieder angesprochen wird. Obwohl Wagner sich als technischer Fotograf bewusst bemühte, realistische und klare Aufnahmen zu erstellen, vermitteln sie doch auch Atmosphärisches vom Griechenland der Zeit und können so auch etwas von der idealistischen Stimmung der Griechenlandreisen im früheren 20. Jahrhundert herüberbringen. Um das zu verdeutlichen, wurden einige ausgewählte Zitate aus unterschiedlichen Reiseberichten der Zeit zu den Photographien der jeweiligen Orte gestellt. Etwas von den idealistischen Vorstellungen der Menschen dieser Zeit von Griechenland. Die Ausstellung soll zeigen, wie die Fotografien solchen Ideen eine visuelle Form gaben, zugleich aber auch Wagners herausragendes fotografisches Geschick verdeutlichen, in dem auch seine Begeisterung für Griechenland zum Ausdruck kommt.

Eines von Hermann Wagners vielseitigen Interessen bestand in der Beschäftigung mit der Natur. Besonders Blumen und Pflanzen waren Teil seines Lebens, wie sich auch in etlichen seiner Photographien zeigt. Hierin wurde er sicherlich von seinem Vater, Eduard Wagner, geprägt, einem ausgewiesenen Kakteenkenner, der aufgrund seiner Verdienste zeitlebens freien Eintritt in der Stuttgarter Wilhelma hatte.Sogar ein Buch über die Pflanzen Attikas war von ihm wohl geplant.

Vita Hermann Wagner

Vor dem 1. Weltkrieg

Hermann M. Wagner wurde 26.2.1895 in Stuttgart als Sohn des aus Dresden stammenden Tischlers Eduard Wagner geboren. Hier besuchte er von 1901 bis 1909 die Oberrealschule, die er mit der Einjährigenprüfung abschloss. Statt seinem Berufswunsch Fotograf zu folgen begann er anschließend aber zuerst eine Ausbildung als Feinmechaniker und arbeitete nach der Gesellenprüfung bei Daimler-Motorenwerke.

Im 1. Weltkrieg

Zu Beginn des 1. Weltkrieges besuchte Herman Wagner die Maschinenbauschule in Esslingen. 1915 wurde er als Soldat eingezogen und wurde als Feinmechanker zuerst Maschinengewehrschütze, später Pilot und Flugzeugführer. Bis 1917 machte er eine Ausbildung als Fliegerphotograph. 1917 stürzte er mit dem Flugzeug ab und zog sich dabei einen nicht korrekt verheilten Beinbruch zu. Direkt nach dem Krieg arbeitete er als Pilot für die Waffenstillstandskommission und für die Deutsche Post.

Danach beendet Herman Wagner die Ausbildung zum Photographen und begann, als selbständiger Photograph Aufträge zu übernehmen. 1924 bis 1927 arbeitete er als Photolaborant und Sportphotograph im Schweizer Bergkurort und aufstrebenden Wintersportparadies Arosa. Hier lernt er seine zukünftige Frau Margeritha, eine gelernte Blumenbinderin, kennen.

Als Wagner 1927 eine Stellung als freier Mitarbeiter am Deutschen Archäologischen Institut (DAI) bekam, heirateten sie und zogen nach Athen, wo 1934 ihre Tochter Gertrud geboren wurde. Hier konnten sie sich auch ein eigenes Haus anschaffen. Hermann Wagner arbeitete in Griechenland als freier Photograph für wissenschaftliche Aufnahmen und war in den folgenden Jahren sowohl für die Amerikanische Archäologische Schule als auch das Deutsche Archäologische Institut in Athen in ganz Griechenland unterwegs. Dabei übernahm er die archäologischen Aufnahmen u.a. bei den Grabungen in Korinth, Olympia, Samos, Delos, in Athen auf der Agora, im Kerameikos und auf der Akropolis, aber auch für zahlreiche andere Projekte, die ihn in ganz Griechenland herumkommen ließen. Im DAI konnte er das Photolabor des Instituts benutzen, in dessen Beständen heute noch über 10.000 Negative von Hermann Wagner vorhanden sind. Während dieser Zeit wurden auch mehrere Fotobände  zur Archäologie und zu Botanik Griechenlands geplant. Im Akropolisbuch von W.-H. Schuchhardt und E. Langlotz, in dem die meisten Bilder von Wagner stammen, erschienen einige seiner bekannten Freilichtaufnahmen von Skulpturen auf der Akropolis. (z. B. Langlotz – Schuchardt, Archaische Plastik auf der Akropolis, Frankfurt 1941)

2. Weltkrieg

Im 2. Weltkrieg wurde die archäologische Arbeit 1941 durch die deutsche Invasion Griechenlands weitgehend blockiert, Wagners mußten Griechenland auf abenteuerlicher Weise mit einer Lokomotive verlassen. Am Ende wurde Herman Wagner trotz seines Alters noch einmal zum Kriegsdienst eingezogen, vermutlich als Dolmetscher.

Direkt nach dem Krieg arbeitete Hermann Wagner zuerst als Bauhilfsarbeiter in seiner Heimatstadt Stuttgart. Auf Hinweis von Ernst Langlotz stellte Reinhard Herbig ihn 1946 als Nachfolger von Anton Heppler als technischen Assistenten und Hausmeister am Archäologischen Institut der Universität Heidelberg ein. Bald konnte er aber ausschließlich die Aufgaben als Photograph bis zu seiner Pensionierung 1962 übernehmen und fertigte Bilder für zahlreiche Publikationen an. In den 50er Jahren konnte er seine Negative und Materialien aus Griechenland holen, die er später dem Institut überließ. 1955 erschien sein lange geplanter Bildband über Griechenland mit einer Einführung von W. Kraiker. Nebenbei arbeitete er auch als Dolmetscher für Neugriechisch am Gericht. Am 20.10.1976 starb Hermann M. Wagner in Heidelberg.

Plattenfotografie:

Hermann Wagner benutzte sowohl Fotoplatten als auch Rollfilme. Bei der Fotografie mit Fotoplatten wurde zuerst eine mit lichtempfindlichen Substanzen, in erster Linie mit Silbersalzen, beschichtete Platte entweder im Dunkeln oder in der Dunkelkammer in den Apparat eingesetzt. Üblich war jedoch, die Platte in eine durch einen Schieber verschließbare Metall- oder Holzkassette mit beschichteter Fläche zur Verschlussplatte der Kassette einzulegen. Dann oder kurz vor dem Fotografieren des gewünschten Objektes setzte man die Kassette in den Apparat ein. Nachdem der Fotograf ein Motiv ausgewählt, die Entfernung, Belichtungszeit und Blende eingestellt hatte, zog er den Kassettenschieber heraus, so dass durch Öffnen des Verschlusses der Linse die Fotoplatte belichtet werden konnte. Der Schieber der Kassette wurde dann wieder geschlossen und die Kassette konnte ausgewechselt werden. In der Dunkelkammer wurde nun die belichtete Fotoplatte bei rotem Licht in eine Schale mit Entwicklungsflüssigkeit zum Bild entwickelt. Danach wurde die Platte im Fixierbad von nichtgeschwärzten Bromsilberteilen befreit, anschließend gewässert und getrocknet. Von der nun fertigen bearbeiteten Platte, dem Negativ, konnten nun in beliebiger Zahl Abzüge auf Paper gemacht werden. Dazu wurde ein lichtempfindliches Papier bei gedämpftem Licht mit der beschichteten Seite auf die beschichtete Seite des Negatives gelegt. Mit Hilfe eines Kopierrahmens wurde das Papier an das Negativ gepresst. Das Ganze setzte man nun dem Tageslicht aus. Das Papier schwärzte sich nur an den durchsichtigen Stellen des Negativs und brachte so das Abbild des Negativs, das sogenannte Positiv (Foto), zutage. Anschließend wurde das Positiv fixiert und getönt um es lichtbeständig zu machen.

In gleicher Weise wurden auch die Filme in der Dunkelkammer entwickelt, entweder indem man den Film zerschnitt oder als Ganzes entwickelte. Der entwickelte Film wurde anschließend gewaschen, dann in einem Fixierbad fixiert und zum Schluss mindestens zwei Stunden gewässert.