Sonderausstellung über die Porträts der römischen Kaiser
Einladung zur Eröffnung einer Sonderausstellung über die Porträts der römischen Kaiser im Museum der Stadt Eberbach am Alten Markt am Freitag, dem 15. Dezember 2017, um 17.30 Uhr.
Zur Ausstellungseröffnung, zu der alle Interessierten herzlich in den alten Ratssaal im ehemaligen Rathaus am Alten Markt, der heute als Museum dient, eingeladen sind, werden Bürgermeister-Stellvertreter Wolfgang Kleeberger und der Vorsitzende des Museumsvereins Reinhard Stupperich sprechen.. Die neue Sonderausstellung wird vom Freitag, dem 15. Dezember 2017, bis in die Osterferien, voraussichtlich bis Sonntag, dem 15. April 2018, in Eberbach zu sehen sein. Sie vermittelt einen Überblick über die Selbstdarstellung der römischen Kaiser in vollplastischen Porträts, großenteils Abgüssen aus den Beständen der Heidelberger Universitäts-Sammlung. Die Reihe der römischen Kaiser begann nach allgemeiner Vorstellung mit Caesar, von dem ja auch die Bezeichnung stammt. In Wirklichkeit war es dessen Adoptivsohn Augustus, der seine neue monarchische Position aus einer Konzentration verschiedener Ämter der römischen Republik konstruierte. Die Ausstellung deckt die Folge der regierenden Kaiser etwa bis zum mittleren 3. Jh. v. Chr., also in etwa bis zum Fall des Limes in unserem Gebiet ab, die folgende Zeit der Spätantike ist noch durch einzelne Kaiserporträts belegt. In der Ausstellung werden anhand von Beispielen Informationen zur Entwicklung der ersten „realistisch“ wirkenden Porträts in der römischen Kunst, zur Vervielfältigung der Porträts usw., aber auch zum „Nachleben“ der Kaiserporträts im sog. Heiligen Römischen Reich deutscher Nation angesprochen. Denn gerade Porträts der ersten römischen Kaiser symbolisierten im Reich später die freie Position einer politischen Instanz. Solche Kaisergalerien waren damals daher in den Rathäusern vieler Reichsstädte aufgestellt, um an den Rang der freien Städte zu erinnern. Für kurze Zeit hat nun auch die alte Reichsstadt Eberbach einen „Kaisersaal“.
In der zur Zeit laufenden Sonderausstellung, dem „Eberbacher Kaisersaal“ im Museum sind vor allem die Porträts der regierenden römischen Kaiser zu sehen. Die Kaiserinnen wurden durchaus auch auf Münzen oder in Büsten und Statuen dargestellt, aber erheblich seltener. Umso mehr hat die am Altertums Interessierten ein ganz leicht überlebensgroßes Frauenporträt, das weiblichen Angehörigen des augusteischen Kaiserhauses ähnelt, durch seine Schönheit und seine besondere Form – die Büste wächst aus einem Blütenkelch hervor – fasziniert.
Aus einer Adelssammlung in Neapel erwarb 1772 Charles Townley, einer der Mitbegründer des Britischen Museums, die Büste, in die er so verliebt war, dass er sie bei einem Aufruhr in London angeblich als einziges Stück seiner Sammlung persönlich aus seinem Haus in Sicherheit brachte.
Der sonnenblumenartige Blütenkelch hatte schon gleich nach dem Auftauchen der Büste im 18. Jahrhunderts zu der Benennung als Clytia geführt, in der Mythologie einer Geliebten des Sonnengottes Phoebus Apollo, die dieser – laut Ovids Metamorphosen – schließlich in eine Blume verwandelt wurde, die sich immer nach der geliebten Sonne orientiert, die Sonnenwende (Heliotropium). Damals verwechselte man sie aber mit der Sonnenblume.
Wenn Besucher Goethes Wohnhaus am Frauenplan in Weimar betreten, sehen sie sogleich die Gipsbüste der Klytia, „das allerliebste Köpfchen“, wie Goethe sie 1793 nannte. Das heute im Britischen Museum in London aufbewahre Marmorbildnis der jungen Frau gehört seit dieser Zeit zu den berühmten Kunstwerken, und unzählige Abgüsse bevölkerten im 19. Jahrhundert Schlösser und Gärten sowie die Wohnzimmer des Bildungsbürgertums.
Der Forschung bereitet sie bis heute allerdings Probleme, was sowohl die Benennungen als auch die Entstehungszeit betrifft. Seit längerer Zeit gibt es zudem die Meinung, dass Marmorbüste ein Werk des ausgehenden 18. Jahrhunderts sei. Das qualitätsvolle Frauenbildnis nimmt also bis in unsere Tage die Forschung gefangen.
Mit Klaviermusik des früheren 19. Jahrhundert, passend zur Phase der größten Beliebtheit der Klytia, umrahmt Luisa Mudra, Eberbach, den Vortrag.
Die Veranstaltung wird zugleich die Gelegenheit bieten, noch einige Änderungen in der Ausstellung vorzustellen, vor allem eine Auswahl originaler Kaiserporträts im Münzbild. Mit Hilfe der inschriftlichen Benennung und Datierung der Porträts auf den römischen Münzen konnte man schon seit dem Mittelalter auch in großformatigen Porträts dargestellte Kaiser identifizieren. Einige Kupferstiche des 17. Jh. zeigen die Nutzbarmachung römischer Kaiserporträts in der politischen Repräsentation der damaligen Zeit und damals berühmte antike Porträts in Rom, teilweise nach Zeichnungen des in der Archäologie bestens bewanderten Malers Peter Paul Rubens.
Der Eintritt in die Ausstellung ist – wie überhaupt ins Eberbacher Museum – frei.