Sonderausstellung: „Weltkulturerbe im Taschenformat“

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2012
- 2013

Die neue Sonderausstellung, die am 24.11.2012 eröffnet wurde, wird bis zum Frühjahr im ehemaligen Ratssaal Kartonmodelle bedeutender Baudenkmäler Europas, um Kirchen und Klöster, Burgen und Schlösser aus Modellbaubogen zeigen.
Früher gehörten Ausschneidebogen von allen möglichen Dingen zum üblichen Kinderspielzeug: Seit dem 19. Jh. waren etwa zweidimensionale Anziehpuppen sehr beliebt oder Schiffe und Gebäude. Etwas Besonderes waren aufstellbare Theaterbühnen oder andere mit den Pop-up-Büchern verwandte Modelle. Papiermodellhäuser und -burgen konnten Eisenbahnanlagen beleben. Heute findet man oft im Angebot von Museumsshops Bögen für historische Bauten in Miniaturformat.

 (Frauenkirche Dresden)

Schon aus Altertum und Mittelalter sind einige kleine Gebäudemodelle erhalten, oft Weihgeschenke. Stifterfiguren werden immer wieder mit Modelle ihrer Bauten in den Händen dargestellt. Bis heute sind Modelle sind noch heute ein wichtiges Hilfsmittel bei der Bauplanung. Aus der frühen Renaissance sind bereits Holzmodelle erhalten, etwa für den Bau des Florentiner Domes und die Bauplanung des Petersdoms in Rom. Im 18. Jh. dienen Korkmodelle der antiken Bauten Roms als Souvenirs reicher Rom-Touristen. In den Museumsausstellungen dienen Modelle häufig zur Veranschaulichung früherer Bauzustände und zerstörter Bauten, allerdings meist nur einmalig.

 (Kölner Dom)

Der Papierdruck machte die Modelle dagegen beliebig reproduzierbar. Aus dem Beginn des 16. Jahrhunderts stammen auch bereits die ersten Modelle aus Papier, die zeigen, daß die Methode damals schon bestens bekannt, also noch älter sein muß: ein kleiner Globus von 1507 von Martin Waldseemüller, der bereits Amerika erstmals und falsch nach Amerigo Vespuccci benennt, das Modell einer Sonnenuhr in Kreuzform 1529 vom Nürnberger Feinmechanikers Georg Hartmann, oder 1544 ein Modellbogen des Wetzlarer Malers Hans Döring, mit dem man die Funktionen eines Militärlagers beim Militärunterricht simulieren konnte.
Aber erst als Spätfolge der Aufklärung kamen Mitte des 19. Jh. zuerst in England, dann in Deutschland und Frankreich serienmäßige gedruckte Modellbaubogen für Kinder zu Spiel- und Lernzwecken auf. Dieses für ein gutes Jahrhundert sehr erfolgreiche Geschäft wurde dann vom Plastikmodellbau an den Rand gedrängt, dessen Anspruch an Arbeitszeit und Können meist geringer war. Größere Anschaulichkeit und Exaktheit haben Architekturmodelle aus Karton in jüngster Zeit wieder beliebter gemacht, da man auch sie mithilfe der Computertechnik schneller, exakter und einfacher entwerfen, verändern und vervielfältigen kann als früher. In jüngster Zeit hat sich gerade in England und Amerika diese spezielle Papierkunst deutlich weiterentwickelt, besonders von technischen Objekten. Inzwischen haben sich aber auch viele Verlage darauf spezialisiert, die alten Vorlagen wieder zu reproduzieren und neue zu entwerfen, auch Modelle von historischen Bauten.

 (Münster Dom)

In der Eberbacher Ausstellung werden eine große Anzahl von historischen Bauwerken aus Deutschland, Frankreich und Spanien vorgestellt, die in der üblichen Papiertechnik gebaut sind. Es handelt sich um Kirchen und Klöster, Kathedralen und Kapellen, aber auch um Burgen und Schlösser, und schließlich um einige weitere Bauwerke wie Wohnhäuser, Stadttore, und technische Bauten. Viele davon wurden in den letzten Jahren von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt. Sieht man einmal von wenigen römischen Bauten ab – dann erstreckt sie sich immer noch über mehr als ein Jahrtausend. Modelle, die nebeneinander stehen, sollen möglichst vom Maßstab her zusammenpassen, damit sie für den Betrachter besser vergleichbar sind. Man kann um die Vitrinen herumgehen, um die Bauten von allen Seiten und meist auch von oben gut zu sehen, eine meist immer noch ungewöhnliche Perspektive. Besser als der Betrachter lernt das Gebäude und seine Zusammenhänge aber der kennen, der das Modell zusammenbaut, und bei der Montage der Teile erlebt, wie das Gebäude langsam wächst und fertig wird. Wir sind deshalb dem Sammler besonders dankbar, der uns seine mit Engagement und Präzision erstellte Sammlung anvertraut hat.

Modellbau-Workshop für Jugendliche

Das Museum der Stadt Eberbach bietet den Modellbau-Workshop für Jugendliche in der Ausstellung „Weltkulturerbe im Taschenformat“ an. Am Freitagnachmittag, dem 15. Februar, wird ab 15 Uhr in der Sonderausstellung von Kartonmodellen bedeutender Baudenkmäler Europas, die zur Zeit im Museum der Stadt Eberbach läuft, ein kleiner Workshop zum Modellbau angeboten.

Die Modelle von Kirchen und Klöstern, Burgen und Schlössern, aber auch von einigen technischen Bauwerken, die in der Ausstellung gezeigt werden, hat alle Herr Horst Fallgatter aus Leipzig aus Kartonbogen gebaut. Aber um diese Baudenkmäler im Miniaturformat herzustellen, muß man nicht Bauingenieur wie Herr Fallgatter sein. Für Kinder und Jugendliche und für alle Interessierten, die sich mit der Technik des Karton-Modellbaus vertraut machen wollen, damit sie selbst mit dieser Technik ein historisches Bauwerk oder auch etwa ein futuristische Fahrzeug wiedergegeben können, bietet Herr Fallgatter daher am nächsten Freitagnachmittag einen „Schnellkurs“ an. Dabei wird er die wichtigsten Methoden und die hilfreichen Tricks und Kniffe vorführen, damit der Modellbaubogen nicht eine windschiefe Hütte oder ein zerknülltes Papiergebilde wird, sondern das überzeugende 3D-Modell, das von seinem Vorbild einen möglichst exakten Eindruck gibt.
Wer mitmachen will, erleichtert natürlich die Sache, wenn er seine eigene Schere und ein Lineal, eventuell auch ein spitzes Messer zum Anritzen und vor allem einen Papierkleber wie z.B. Uhu mitbringen, damit genügend Werkzeug vorhanden ist. Die Technik des Modellbaus mit Ausschneidebogen, wie sie seit Mitte des 19. Jh. für Spiel- und Lernzwecke beliebt waren, sind in jüngster Zeit als  spezielle paper art besonders in England und Amerika weiterentwickelt worden. Inzwischen gibt wieder zahlreiche Angeboten von Kartonbogen für Modelle von historischen Bauten und vor allem verschiedensten technischen Objekte. Es werden laufend neue Papiermodelle entworfen, es gibt aber auch Nachdrucke altbewährter Modellbaubogen.

Die Ausstellung zum „Weltkulturerbe im Taschenformat“ wird auch noch das ganze Frühjahr über im ehemaligen Ratssaal am Alten Markt zu sehen sein. 

Kinder bastelten Modelle

Kinder bastelten Modelle in der Ausstellung „Weltkulturerbe im Taschenformat“

Eine Gruppe von Kindern und Müttern vom Eberbacher interkulturellen Frauentreff besuchte am Mittwochnachmittag die Ausstellung von Kartonmodellen bedeutender Baudenkmäler im Museum der Stadt Eberbach. Während die Kinder unter Anleitung von Herrn Fallgatter, dem Leihgeber der Ausstellung, sehr engagiert kleine Modelle historischer Bauten bastelten, konnten sich ihre Mütter die Ausstellung ansehen, die noch das ganze Frühjahr über im ehemaligen Ratssaal am Alten Markt zu sehen ist.

Wie schon erwähnt wird Herr Fallgatter am Freitagnachmittag, 15. Februar, nochmals ab 15 Uhr in der Sonderausstellung für alle Interessierten, Kindern oder auch Erwachsenen, die Technik des Kartonmodellbaus vorführen und beim Erstellen von Modellen helfen. Wenn diejenigen, die mitmachen wollen, eine nicht zu große eigene Schere, eventuell auch ein spitzes Messer zum Anritzen, ein kleines Lineal und Papierkleber wie z.B. Uhu mitbringen, ist auf jeden Fall genügend Werkzeug vorhanden.