Aktuelle Ausstellung

_______

19. Sep 2020

bis

11. Apr 2021 

Das Museum der Stadt Eberbach widmet von 19. September 2020 bis 11. April 2021 der in Eberbach geborenen Künstlerin Hanna Breidinger-Spohr (1922 – 2000) eine Ausstellung zu ihrem Lebenswerk.

Sie umfasst über 200 Arbeiten, die alle Phasen ihres Schaffens repräsentieren: Scherenschnitte der hochbegabten Jugendlichen, Studien aus der Akademiezeit in Karlsruhe, Skizzenbücher, Zeichnungen, Aquarelle, Ölgemälde und ihr Hauptwerk, Holzschnitte, teils mit den dazugehörigen Druckstöcken.

Derart detailliert wurde ihr Werk noch nie gezeigt. Die Entwicklung eines grossen Talentes von der Frühzeit bis zur Meisterschaft wird hier sichtbar. 

Download
Flyer_Hanna Breidinger-Spohr.pdf
Adobe Acrobat Dokument 3.3 MB

Die Eröffnung findet wegen der Corona-Bedingungen am 19. September um 17 Uhr im großen Saal der Stadthalle statt. Der Bürgermeister wird anwesend sein.

 

Die Ansprache zu Hanna Breidinger-Spohr hält Dr. Sigrun Paas-Zeidler, Kunsthistorikerin, 2. Vorsitzende des Museumsvereins. Für das Publikum besteht ab 14 Uhr die Möglichkeit, vorab schon die Ausstellung zu besuchen. Wegen der Corona- Einschränkungen gelten besondere Besuchsvorschriften.

Am Mittwoch, 16.9.2020, 15 Uhr, veranstaltet das Museum in der Ausstellung zudem eine Pressekonferenz. Dazu sind die Vertreter der Presse herzlich eingeladen.

Zur Künstlerin:

Hanna Spohr wuchs auf im „Spohr'schen Haus“, zwischen Haspelturm und Altem Badhaus. Dort hatte ihr Vater eine Schneiderwerkstatt.  Der Zweite Weltkrieg setzte dem Betrieb ein Ende. In der verwaisten Schneiderei konnte sich Hanna später eine Werkstatt einrichten, in der sie ihre ersten verkaufbaren Arbeiten schuf. Ihre Begabung zum Zeichnen hatte sie von ihrem Vater, ebenso ihr musikalisches Talent, das sie zur Ersatz-Organistin beim sonntäglichen Gottesdienst machte. Vielleicht förderte die Geschicklichkeit des seit 1792 ausgeübten Schneiderhandwerks der Spohrs Hannas erste „schwarze Kunst“, die Scherenschnitte, die sie seit ihrer Kindheit meisterhaft schnitt. Ihre enorme Beobachtungsgabe half ihr auch beim Bildniszeichnen. Die „brotlose“ Kunststudentin musste ab 1943 zwangsweise im Stotz'schen Betrieb in Eberbach arbeiten, zusammen mit russischen und französischen Kriegsgefangenen, die sie in ihren Skizzenbüchern verewigte. Nach 1945 verdiente sie etwas Geld mit dem Porträtieren von amerikanischen Besatzungssoldaten. Ab 1952 konnte sie endlich ihr im Krieg abgebrochenes Kunststudium in Karlsruhe fortsetzen.

 

Grundlage für die Ausstellung war eine sorgsame Sichtung ihres umfangreichen Nachlasses. Dieser kam nach ihrem Tod am 7. September 2000 von Bad Kreuznach, wo sie seit 1954 lebte, zunächst ins Eberbacher Stadt-Archiv, dann in die Obhut Wolfgang Spohrs, des älteren Bruders.

 

Im Museum kann selbstverständlich nur einen Bruchteil des Vorhandenen präsentiert werden. Die Umsetzung der Leihgaben aus der Familie Wolfgang Spohr in eine dem Besucher zumutbare Dimension ist den Kuratoren Willem van Dijk (Familie Wolfgang Spohr) und Dr. Sigrun Paas sowie Ute Moll (Museumsvorstand) zu danken.

 

Die ausgestellten Werke setzen ein mit den Scherenschnitten der ganz jungen Hanna Spohr. Deren unglaublich hohe Qualität ermöglichte ihr mitten im 2. Weltkrieg und obendrein als junges Mädchen an der Kunstakademie in Karlsruhe zum Studium zugelassen zu werden. Es folgen dokumentarisch genaue Zeichnungen und stimmungsvolle Aquarelle aus Eberbach und Umgebung. Die damals zunächst kaum beachteten Sehenswürdigkeiten Eberbachs, die heute für die Touristen den Charme der Stadt ausmachen, hielt sie mit Bleistift- und Feder fest. Ihre Bilder gingen reißend weg und sie musste ständig nachliefern, so dass ihr diese Arbeit „zum Halse raushing“, wie sie später gestand. Also ließ sie Druckstöcke anfertigen und kolorierte die Motive mit Wasserfarben. Ihre Werke haben die städtebaulichen Idyllen von Eberbach über die Region hinaus bekannt gemacht und auch manchem Einheimischen die Augen geöffnet für die Schönheit der alten Mauern, Türme und Fachwerkhäuser. Den Weg, Malerin zu werden, von dem ihre wenigen, vielversprechenden Ölgemälde zeugen, verfolgte sie nicht weiter zugunsten einer anderen Kunstform. 

Während ihres zweiten Studiums in Karlsruhe entdeckte sie bei dem von den Nationalsozialisten entlassenen, aber 1947 wiedereingestellten Prof. Hubbuch den Linol- und den Holzschnitt. Diese Gestaltungsform war für sie eine Offenbarung, ihre „wahre  Berufung“. Das Schneiden in Holz, die handwerkliche Härte und die ästhetische Vereinfachung der Formen entsprach ihrem Wesen und sie schuf mit übersprudelnder Phantasie und schärfster Beobachtungsgabe in dieser Technik ein riesiges, bisher kaum bekanntes Lebens-Werk, in dem sie sich endgültig der modernen Kunst zuwandte und verschrieb. 

Die Ausstellung fasst die schöpferische Vielfalt ihrer Werke in einzelne Themengruppen zusammen, wobei Hanna Spohrs Liebe zu den Tieren, besonders den Katzen, hervortritt. Insgesamt wird in dieser Werk-Schau erkennbar, dass Hanna Breidinger-Spohr trotz ihrer gelebten Bescheidenheit zu den großen Holzschnittkünstlern des 20. Jahrhunderts gehört.

Wir danken unseren Sponsoren für ihre großzügige Unterstützung: